Gesundheitsfachstelle im Prostituiertenquartier

Public Health in Prostitute Area - PHPA

In unmittelbarer Nähe zum Health Center befindet sich das Prostituiertenviertel Sonagachi, in dem auf ca. 4 km2 rund 50'000 Personen leben, hauptsächlich Prostituierte (Commercial Sex Workers: CSW's). Diese Tatsache liess im Calcutta Project schon früh die Idee aufkommen, auch in diesem Bereich einen Beitrag zu leisten, sowohl hinsichtlich medizinischer Grundversorgung als auch im Bezug auf Prävention.

Ausschlaggebend für die Pläne eines Programms innerhalb des Sonagachi war die traurige Tatsache, dass aufgrund ihrer sozialen Ausgrenzung kaum CSW's ins Ambulatorium kamen.

Bis zur Verwirklichung dieses Vorhabens mussten jedoch einige Hürden genommen werden: Die Auseinandersetzung mit der Thematik und Situation an sich, die Absteckung der Ziele des Programms, die Abklärung bezüglich Infrastruktur, Personal sowie allfälliger Zusammenarbeit mit anderen NGO's (Non Governmental Organisations) im Sonagachi. Tatsächlich existierte bereits eine Vernetzung von zahlreichen kleineren Organisationen in dem Prostituiertenviertel. Die Hauptarbeit dieser NGO's, die vor allem unter dem Dach der WHO funktionieren, liegt in der allopathischen Betreuung und der Verteilung von Kondomen zur AIDS-Prävention.

Da wir nicht als weitere "Konkurrenz" auftreten wollten, entschieden wir uns, mit dem PHPA hauptsächlich Präventionsarbeit im Sinne von Hygiene- und Ernährungsberatung zu leisten sowie kurative Medizin zu betreiben, und zwar auf homöopathischer Basis und auch hier erscheint uns die allgemeine Förderung des Gesundheitsbewusstseins als A und O zur Prävention jeglicher Art von Krankheiten.

Im Februar 1998 fiel nach einer Vorbereitungszeit von fast drei Jahren der Startschuss für das PHPA-Programm. Für die Sprechstunden 3x wöchentlich kann ein Raum innerhalb des Viertels benutzt werden, den uns eine lokaler Klub zur Verfügung stellt. Der Anfang gestaltete sich schwierig, weil das Vertrauen der CSW's zuerst gewonnen werden musste. Im Verlauf dieser Phase erkannte man jedoch, dass das Bedürfnis zur medizinischen Grundversorgung auch für den Restder Quartierbewohner (unterster sozialer Schicht) gross ist und dass man diese nicht wegweisen sollte. Inzwischen ist das Programm weitgehend akzeptiert und etabliertinnerhalb des Sonagachi, auch von Seiten der CSW's.

Dank dieser Voraussetzung kommen wir den eigentlichen Zielsetzungen des PHPA einen grossen Schritt näher. - Vielmehr noch: Neue Türen zum weiteren Ausbau des Programms werden uns geöffnet, so zum Beispiel zur Verwirklichung eines Kinderhorts im Sonagachi, der während der Arbeitszeiten der Mütter (CSW's) geführt werden soll. Auch in der AIDS-Prävention (im Rahmen sog. Awareness-Programmes) will sich S.B. Devi Charity Home in Zukunft betätigen.